Der Blick in den Kalender hat es schon vor Wochen verraten. Der „Super Bowl Sunday“, der inoffizielle nationale Feiertag in den USA steht wieder an. Bereits zum 53. Mal treffen in den Vereinigten Staaten der Gewinner der NFC Championship und der AFC Championship im Finale der NFL Championship aufeinander. Der Gewinner dieser Monumentalveranstaltung kann sich nicht nur den „Super Bowl Ring“ an den Finger stecken, sondern darf auch noch die „Vince Lombardi Trophäe“ mit nach Hause nehmen – fürstliche Prämien und Preisgelder inklusive. Das Finale der Meisterschaft der National Football League gleicht nicht nur in den USA jedes Jahr einer Monumentalveranstaltung. Längst ist er dort zum inoffiziellen Feiertag geworden und Millionen von Fans verfolgen jedes Jahr auf eigens veranstalteten „Super Bowl Partys“ gespannt das Großereignis vor dem Fernseher und fiebern in den „Sports Bars“ des Landes mit, wenn Tom Brady, Eli Manning und Co. um den begehrten Titel des NFL Champion kämpfen. Und auch in andere Länder ist das Football-Fieber längst übergeschwappt.

So verzeichnet zum Beispiel Deutschland eine immer größer werdende Fangemeinde, die sich seit Saisonbeginn jede Woche trifft, um ihr Team, wegen der Zeitverschiebung oft Mitten in der Nacht, gemeinsam anzufeuern, Trikots und Fan-Memorabilia aus den Staaten ordert und die Wochen kaum erwarten kann, wenn die NFL quasi auf Auslandstour geht und einige Spiele der Regular Season in London ausgetragen werden. Endlich das Lieblingsteam einmal Live und in Farbe sehen anstatt auf dem heimischen Fernseher! Mittlerweile gibt es mit „RAN NFL“auch hierzulande einen eigenen Sender, der die Spiele überträgt und, begleitet von ehemaligen deutschen NFL-Spielern, sehr unterhaltsam kommentiert. Und auch bei uns ist der „Super Bowl“ längst zu einem Massenevent geworden, der gemeinsam zu Hause, im Vereinsheim, im Kino oder stilecht im Stadion bei der größten „Super Bowl“ – Party gemeinsam geschaut wird. Football ist zu einer Großveranstaltung geworden – auch bei uns!


Vom Unisport zur nationalen Sport

Der „Super Bowl“ ist genau wie die „Oscar-Verleihung“ eines der größten Medienereignisse in den USA. Beide finden im Februar statt – und beide sind aus einer Krise heraus entstanden. Die „Oscars“ aus der Krise der Filmbranche und der „Super Bowl“ aus einer Krise der 1920 gegründeten NFL. Die Geschichte des American Football ist aber deutliche älter. Seinen Ursprung hat Football in den in Europa traditionellen Ballsportarten Fussball und Rugby und gilt, durch mehrere Änderungen der dort verwendeten Regeln, als deren Variante. Einige der größten Regeländerungen war zum Beispiel die Einführung von Downs, der Line of Scrimmage, und der Möglichkeit gegnerische Spieler aktiv zu blocken. Darüber hinaus wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das Passspiel eingeführt, wodurch es möglich war, den Ball mit einem Wurf nach vorne zu bewegen. Damit war die endgültige Abgrenzung zum Rugby gegeben, bei dem es den Vorwärtspass nicht gibt. Hauptschauplatz der Footballspiele waren zunächst die Universitäten, wo auch das erste Footballspiel der Geschichte stattfand.Nämlich am 6. November 1869, als die Mannschaften der Universitäten von Rutgers und Princeton in New Brunswick, New Jersey gegeneinander spielten – nach fußballähnlichen Regeln, denn American Football sollte erst noch erfunden werden. Erst aus den Spielen der Mannschaft der Harvard University und des Rugbyteam der McGill-Universität aus Montreal, die mit Kompromissregeln aufeinandertrafen, entwickelte sich dann die neuen Sportarten American Football und Canadian Football.

Maßgebliche Persönlichkeit der Entwicklung war übrigens Walter Camp, der ab 1876 als Spieler, Trainer und Funktionär an der Yale Universität die Entwicklung des American Football, wie auch anderer Sportarten, bis 1925 entscheidend prägte. So wurde zum Beispiel die Spielerzahl auf elf festgesetzt, der exklusive Ballbesitz für mindestens drei Versuche eingeführt und die Angriffsformation mit sieben Spielen an der Linie und vier im Rückraum festgelegt. Gespielt wurden zunächst 10 Spiele von September bis November, markiert durch die Feiertage Labor Day und Thanksgiving.

Aber nicht nur an den Universitäten wuchs die Beliebtheit von Football zunehmend, wo Meisterschaftsspiele zwischen den einzelnen Schulen, angetrieben durch gelebte Traditionen und leidenschaftliche Rivalitäten, überregionale Aufmerksamkeit erlangten. Auch außerhalb erlangte American Football schnell Popularität, wenngleich es dem College Football lange nicht den Rang ablaufen konnte. 1876 trat zum ersten Mal ein verbindliches Regelwerk in Kraft, welches dem Spiel einen professionellen Rahmen gab. Einen Meilenstein im American Football markierte der 18. November 1892: mit dem Spiel der Allegheny Athletic Association (AAA) gegen die rivalisierende Mannschaft der Pittsburg Athletic Association (PAA) begann das Profizeitalter in dieser Sportart. Zu dieser Zeit wurde Football schon in sogenannten Athletic Clubs gespielt, die aber nicht für Geld, sondern für die Ehre spielten. Die Verpflichtung von William Heffelfinger, der bereits sehr erfolgreich im College gespielt hatte, für dieses Spiel öffnete schließlich die Tür zum Profisport. Zwar hatte man Heffelfinger eine vergleichsweise hohe Summe von 525 Dollar für dieses Spiel zahlen müssen, aber durch Wetteinnahmen mit 621 Dollar einen guten Gewinn gemacht. Schon bald erkannten auch andere Clubs die wirtschaftliche Profitabilität dieser neuen Sportart und boten Spielern Gehälter von 50 bis 500 Dollar pro Spiel an, wenn sie für ihr Team antraten – der Profifootball war geboren!

Erste Krise und Gründung der NFL

Zur gleichen Zeit stürzte der American Football aber schon in seine erste Krise. Grund hierfür war die steigende Anzahl an Todesfällen von Spielern, die bei den damals noch üblichen Keilformationen ums Leben kamen. Mit mehr als ein Dutzend Todesopfer pro Jahr wurde diese Formation bereits 1894 verboten. Da 1905 trotzdem noch 18 Spieler während der Spiele ihr Leben verloren, zwang schließlich US-Präsident Theodore Roosevelt die Vereine zu Regeländerungen, die das Spiel sicherer machen sollten. Um das Jahr 1912 hatte Football dann die heutige Form angenommen, wobei die Einführung des Vorwärtspasses die endgültige Trennung vom Rugby markierte. Ein Touchdown zählte fortan sechs Punkte und die Spielfelddimensionen wurden an das neugebaute Stadion von Harvard angepasst. Zu den weiteren Vorkehrungen der Liga, die die Gesundheit der Profispieler sichern sollten, gehörte ab 1940 die Verpflichtung, einen Helm während des Spiels zu tragen und 1956 das Verbot, in das Gesichtsgitter des Helmes zu greifen. 1962 verschwanden schließlich auch die letzten Spieler ohne Gesichtsgitter – der Profisport hatte seinen heutigen Sicherheitsstandard erreicht. Dem Eintritt in den Profistatus folgte bald die Gründung einer Profiliga. 1920 formierte sich die „American Professional Football Association“, um Football auf einer professioneller Basis zu organisieren. Erster Meister dieser neuen Liga waren die Akron Pros. 1922 benannte sie sich schließlich in National Football League, NFL, um und ist bis heute die Profiliga der Vereinigten Staaten geblieben. Von den Gründungsteams sind aber nur noch die Atlanta Falcons und die Chicago Bears bis heute in ihr vertreten.

Ursprünglich als Sport in den Industriezentren des mittleren Westens gespielt, wurde Football mit der Einführung der Liga zu einem nationalen Phänomen, zu dem letztendlich auch eine nochmalige Regeländerung beitrug. Denn Anfangs wurden die Regeln des Amateursports übernommen, was in sehr punktwarmen Spielen resultierte, die für die Zuschauer nur wenig interessant waren. Aus diesem Grund führte man 1933 abweichende Regeln ein, um das Spiel spektakulärer und punktereicher zu machen. Pässe mussten jetzt zum Beispiel nicht mehr mindestens fünf Yards hinter Line of Scrimmage geworfen werden, sondern konnten von überall hinter der Line geworfen werden. Die wohl bedeutendste Neuerung war aber die Einführung von Hashmarks, die es dem angreifenden Team jetzt erlaubte, die ganze Spielfeldbreite zu nutzen statt wie bisher ihren Angriff dort zu starten, wo der vorherige Spielzug beendet wurde. Die daraus resultierende Häufung von Touchdowns und die damit verbundenen Punktreichen Spiele fanden bei den Zuschauern großen Zuspruch und führten zu einem Anstieg der Zuschauerzahlen bei den Spielen. Ab 1932 wurde ein NFL Championship Game eingeführt und 1933 die Liga in zwei Divisions unterteilt, wodurch es erstmals zu einem Endspiel zwischen den beiden Divisionssiegern kam. Ein wichtiger Schritt war auch 1936 die Entscheidung der Teams, sich untereinander bei den Verhandlungen mit den Spielern abzusprechen und insbesondere bei den Gehaltsangeboten an Spieler, die sich in Universitäts-Mannschaften einen Namen gemacht hatten, nicht gegenseitig überbieten zu wollen. Diese „Drafts“ bestehen noch bis heute. Das aufkommende Fernsehen versprach in den 1950er Jahren eine zusätzliche Einnahmequellen für die NFL. Dieses machte die Übertragung des Profi-Spielbetriebs in den weniger bevölkerungsreichen Städten erst möglich und bescherte der NFL 1951 weitere Einnahmen von 75.000 Dollar. Und auch wenn diese Zahlen verglichen mit den heutigen Einnahmen aus Regular Season und vor allem „Super Bowl“ vergleichsweise gering waren, bedeutete dieses Übereinkommen nicht nur einen wichtigen Schritt der NFL auf ihrem Weg in die Rentabilität; auch konnte der Profi-Football damit erstmals annähernd so populär werden wie zuvor nur College-Football und Profi-Baseball.

The road to „Super Bowl“

Dass die NFL damit in ihre erste handfeste Krise stürzen würde konnte man damals aber noch nicht absehen. Denn die Team-Besitzer der NFL zögerten noch, sich mit zusätzlichen Mannschaften Konkurrenz machen zu lassen. Vor allem das Anliegen einiger reicher Geschäftsmänner, selbst ein NFL-Team zu erwerben, wurde konsequent abgelehnt. Die daraufhin von ihnen, mit Unterstützung des TV-Senders ABC gegründete neue Liga American Football League stieg durch ihre moderne Spielweise und vielen Neuerungen schnell zu einer ernsthaften Konkurrenz zur alteingesessenen NFL auf. Die Fangemeinde teilte sich in zwei Lager, zudem entfachte sich auch ein ruinöser Wettbewerb zwischen den beiden Ligen. Nicht nur reagierte die NFL auf die Neugründung der AFL mit der längst fälligen Erweiterung, die neue Mannschaften in umkämpfte Märkte wie Dallas und Minneapolis-St. Paul brachte, sondern es entstand auch ein harter Kampf um die besten Nachwuchsspieler, was mit einer deutlichen Gehaltssteigerung der Profis einherging. Über kurz oder lang wurde eine Kooperation der beiden Ligen also unausweichlich. Am 8. Juni 1966 war es schließlich soweit – die Fusion beider Ligen zur Spielzeit 1970 wurde in einer gemeinsamen Presseerklärung verkündet. Für die Zwischenzeit wurde, neben einem gemeinsamen „Draft“, die Austragung eines zusätzlichen Endspiels zur Ermittlung eines „wahren“ Landesmeisters zwischen den beiden Ligameistern vereinbart. Der „Super Bowl“ war geboren! Stieß er in seiner ersten Auflage im Januar 1967 noch auf relativ wenig Interesse, wurde jedoch schnell als neuer Saisonhöhepunkt anerkannt und auch nach der Fusion beibehalten. Zu seinem Namen kam der „Super Bowl“ wie so oft zufällig oder wie in diesem Fall durch eine Wortspielerei. Ursprünglich als „AFL-NFL World Championship Game“ ausgetragen, kam der „Super Bowl“ 1967 zu seinem endgültigen Namen, als Lamar Hunt, der Eigentümer der Kansas City Chiefs, seine Tochter mit einem Spielzeug namens „Super Ball“ spielen sah.

Der „Super Bowl“ der Superlative

Und Heute? Noch immer sind viele Strukturen der Anfangszeit gleich geblieben. Nicht nur der Name ist geblieben, auch die Nummerierung der einzelnen Finalspiele in römischen Zahlen, mit Ausnahme des 50. „Super Bowl“ wurde übernommen. Noch immer stehen sich der Meister der American Football Conference und der der National Football Conference im Finale gegenüber und noch immer winken dem Eigentümer des „Super Bowl Champions“ die „Vince Lombardei Trophy“, die nach dem Trainer des ersten „Super Bowl“-Gewinners, den „Green Bay Packers“, benannt ist und den Spielern der 4000 Dollar teure und von Tifanny´s designte „Super Bowl“-Ring. Und noch immer wird das Endspiel jedes Jahr im Fernsehen übertragen. Alles andere ist….viel größer geworden. Denn heute ist der „Super Bowl“ zu einem nationalen Massenereignis geworden mit mehr als 90 Millionen Zuschauern alleine in den Staaten – die weltweite Zuschauerzahl liegt noch um ein vielfaches höher. 30 Sekunden Werbung während der Übertragung kostet heute fast 5 Millionen Dollar und es werden fast schon traditionell speziell für den „Super Bowl“ eigene Werbespots angefertigt mit namhaften Schauspielern. Im Vergleich dazu kostete ein Spot 1967 „nur“ 34.500 Dollar. Der Marketing-Effekt dieser Spots ist für die Firma aber heute nicht mit Gold aufzuwiegen und lohnt jeden einzelnen Dollar, zumal die Übertragung dieses Endspiels oft die höchsten Zuschauerzahlen des Landes aufweist. Und auch die Nachfrage nach Chicken Wings, Pizza und Co. steigt an diesem Tag enorm und zwingt die Fast Food- Ketten des Landes zusätzliches Personal für diesen Tag einzustellen. Gut 1,4 Milliarden Chicken Wings und 120 Millionen Liter Bier werden allein an diesem Tag außerhalb des Stadions verputzt.

Auch „das Spiel selbst hat mittlerweile fast gigantische Ausmasse angenommen. So wird der Halbzeit-Show mittlerweile genauso viel Bedeutung zugemessen wie dem Spiel selbst und jedes Jahr mit Spannung erwartet. Für Sänger und Bands gilt es allgemein als eine Ehre als Hauptakt am „Super Bowl Sunday“ aufzutreten, auch wenn sie dies in der Regel „für umme“ tun. Aber auch hier ist der Marketing-Effekt unbezahlbar, der durch unvorhergesehene Ereignisse wie zum Beispiel Janet Jacksons „Nipplegate“ noch gesteigert werden kann. Und auch die gesanglichen Darbietungen am Anfang des Spektakels ist in der Regel sehr prominent besetzt und verleitet den einen oder anderen Interpreten auch manchmal dazu, ein politisches Statement in seinem Auftritt unterzubringen wie es Lady Gaga schon getan hat. Karten für den „Super Bowl“ zu erhalten ist übrigens fast unmöglich. Bereits lange vor dem eigentlichen Finale sind die Tickets schon ausverkauft und zudem unglaublich teuer. So kostet das billigste Ticket 3900 Dollar, eine VIP-Box immerhin stattliche 54.000 Dollar. Da ist das „16 Dollar“Bier im Stadion und der „8 Dollar“Hot Dog noch die kleinste Investition, die ein Zuschauer an diesem Tag tätigen muss. So bleibt der Mehrzahl der amerikanischen Zuschauer nur, auf eine Einladung zu diesem Spektakel zu hoffen oder den Weg zu einer„Super Bowl“-Party anzutreten, um es sich dort bei Sandwich, Bier und Chicken Wings mit Gleichgesinnten anzuschauen. Auch wir werden dieses Jahr wieder gespannt das Finale der diesjährigen Football-Saison verfolgen – allerdings in kleinerem Rahmen. Umgeben von Root Beer, Dr. Pepper und Nachos feiern wir, wie so viele Deutsche, eine eigene kleine „Super Bowl“-Party; auf der heimischen Couch und wegen der Zeitverschiebung mitten in der Nacht. Dieses Jahr stehen sich die Los Angeles Rams und die New England Patriots gegenüber. Ein spannendes Finale, auch wenn die New England Patriots als klarer Favorit ins Rennen gehen, zumal sich mit Tom Brady und Bill Belichick zwei Rekordhalter in Bezug auf „Super Bowl“-Siege und Meisterschaftsringe in ihren Reihen befinden. Trotzdem sollte man auch die Mannschaft um Jared Goff und Todd Gurley nicht unterschätzen; vielleicht sorgen auch sie wie letztes Jahr die Philadelphia Eagles für eine kleine „Super Bowl“-Sensation. Ich bin auf jeden Fall gespannt, denn wie heißt es in Los Angeles so schön: „WHOSE HOUSE?“ “RAMS HOUSE!“.

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